Freitag, 14. September 2012

Sicherheitsplus: Erste Erfahrungen mit der Piaggio MP3 500

Eine gemeinsame Motorradtour von Berlin nach Stettin in Polen mit etwa 20 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland war schon länger geplant. Einen Motorradführerschein hatte ich, nur kein geeignetes Zweirad. Da kam das Angebot von Avis ganz recht. Ein MP3-Roller mit satten 40 PS zum Preis von 89 Euro fürs Wochenende würde es sicherlich tun und bestimmt auch Spaß machen. Um es gleich vorwegzunehmen, ich konnte ohne Probleme mit den Motorrädern mithalten, und es war trotz knapp 600 Kilometern ein Vergnügen.

Dass es so Spaß machte, lag nicht zuletzt auch an dem Wohlfühlfaktor in Sachen Sicherheit beim Dreirad-Roller. Straßenbahnschienen, Rollsplitt auf der Fahrbahn und regennasse Straßen verlieren ihren Schrecken. Ein Reifen hat immer Grip, und sollte es mal nicht so sein, bleibt die Maschine immer beherrschbar. Dies konnte ich am Tag der Rückgabe feststellen, als mir ein Auto die Vorfahrt nahm. Trotz Vollbremsung mit blockierenden Rädern vorne und hinten blieb die MP3 brav in der Spur.

Dieser Sicherheitsfaktor erleichtert es auch ungemein in einer Gruppe von Motorrädern mit mehr als doppelter PS-Zahl stressfrei mitzuhalten, zumindest auf kurvigen Landstraßen. Als zum Ende der Tour nach etwa 350 regenfreien Kilometern auf einer leicht kurvigen Waldstrecke ein Regenschauer mit etwas Hagel niederprasselte, konnte ich ohne Bedenken deutlich beschleunigt unseren Treffpunkt ansteuern.

Als störend empfand ich anfangs das Bremspedal, eine Konzession an den Autoführerschein, bei der LT Version. Nach einigen Kilometern stellte sich jedoch eine gewisse Gewöhnung ein. Die Fußbremse selbst verzögert als Integralbremse ausgelegt nur sehr mäßig und verlangt eine sehr nachdrückliche Betätigung.

Aber auch ohne Fußbremse ist der Platz für die Füße nicht gerade üppig und Menschen über 1,80 sitzen etwas zu tief mit doch stärker angewinkelten Knien. Die Sitzbank könnte da etwas höher sein, was sicherlich dem Komfort zugute käme. Auf der Autobahn zeigte sich dann, dass die Scheibe auch etwas zu niedrig war. Leider kann ich nicht sagen auf welche Höhe sie eingestellt war, aber ab 120 km/h zog und zerrte der Fahrtwind doch arg am Helm.

Ein großes Lob verdient der mehr als üppige Stauraum der MP3. Es sollen unter der Sitzbank und dem damit verbundenen hinteren Stauraum, der durch eine zusätzliche Heckklappe erreichbar ist, insgesamt 65 Liter sein. Kommt dann noch das voluminöse Topcase dazu, ist für den Wochenendeinkauf oder auch auch für die mehrtägige Tour genügend Platz. Die AVIS-Roller sind mit diesem Topcase ausgerüstet.



Ein wenig verwirrend waren anfangs die diversen Möglichkeiten die Stauräume und den Tankdeckel zu öffnen. Die Heckklappe und die Sitzbank waren über Knöpfe am Lenker zu erreichen. Die Tankklappe etwas hakelig über das Zündschloss und das Topcase ebenso fummelig über einen separaten Schlüssel. Eine Leuchte am Lenker weist daraufhin, dass die Heckklappe geöffnet ist.
Das ist auch gut so, denn dann brennt die Stauraumbeleuchtung, da ist nach längerem Stehen die Batterie leer. Gewöhnungsbedürftig ist auch der Piaggio-Blinker, ein unpräzises teigiges Gefühl beim Einstellen, kein hörbares akustisches Signal – da bleibt schnell der Blinker versehentlich an, und das ist gefährlich.

Was bleibt? War bisher die neue Piaggio Beverly 350 mein Favorit, hat mich nun das Dreiradroller-Konzept von Piaggio überzeugt. Das zusätzliche Sicherheitsplus dieser Konzeption sorgt für noch mehr Fahrspaß. Die Piaggio passt in der Stadt, zum Einkauf, zum Pendeln und fühlt sich auf Landstraßen pudelwohl. Autobahnetappen sind kein Problem, die 40 PS reichen für mehr als 140 km/h und zügige Überholvorgänge. Alternativ kommt noch die Gilera Fuoco infrage, etwas weniger Stauraum, aber dafür eine sportlichere etwas aggressivere Optik. Die MP3 kommt doch sehr brav als Altherrenfahrzeug daher. Wie sagte ein Motorradfahrer zum anderen beim Anblick der MP3: „Lach nicht, darauf werden wir auch mal landen, kurz vorm Rollator.“

Wie es dann mit meiner Gilera Fuoco nach 45.000 km weiterging ist hier zu erfahren:
http://scooterclub-bonn.blogspot.de/2014/12/stadt-land-autobahn-25000-kilometer-mit.html


Rainer Eikel

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